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Aktuelle Sekundärliteratur |
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Andreas C. Knigge:
ALLMÄCHTIGER! Hansrudi Wäscher - Pionier der deutschen Comics Edition Comics etc., Hamburg 2011. 496 Seiten, € 49,90 Dass ein Zeichner der Trivialliteratur gewürdigt wird - daran haben wir uns noch lange nicht gewöhnt. Hansrudi Wäscher, der Schöpfer von "Sigurd", "Tibor" und "Nick" (um nur ein paar zu nennen), wurde immer wieder nachgedruckt, doch stets, um die Klientel der Nostalgiker zu befriedigen, die sich die Original-Hefte aus den 50er Jahren längst nicht mehr leisten kann. Das hier ist etwas anderes. Hier wird eine Zeichner- und Autorenpersönlichkeit, die zu ihrer Zeit das Bewusstsein so vieler geprägt hat, mit einem sehr ordentlichen und gut aufgemachten Rückblick geehrt - ein Rückblick auf den Menschen, auf sein Werk, und natürlich auch auf die Umstände, unter denen "damals" der Comic in Deutschland entstehen konnte. Andreas C. Knigge ist sicher der richtige, solch ein Projekt in Angriff zu nehmen. Nicht deswegen, weil er sich zuvor als Wäscher-Fan geoutet hätte, sondern deswegen, weil er Routine hat im Umgang mit dem Comic einerseits und zum anderen, weil er es einfach versteht, unterhaltsam zu schreiben. Seine persönliche, über hundert Seiten umfassende Auseinandersetzung mit Hansrudi Wäscher ist denn auch der Kern dieses dicken Wälzers, der natürlich auch etwas von einem Coffeetable Book hat. Obwohl Wäscher in der Vergangenheit immer und immer wieder befragt wurde, gelingt Knigge hier doch hier eine Darstellung, die menschlich wirkt, die dem Porträtierten gerecht wird, die etwas Neues leistet. Dagegen fällt die sich anschließende Beschreibung des Werk deutlich ab. Die Trivialität dieser Literatur - so wertvoll sie im kulturhistorischen Bezug auch sein mag - wirft keine großen Erkenntnisse ab. "Allmächtiger!" ist ein schönes Buch, das bislang in Deutschland einzigartig ist, das ja aber vielleicht gerade deswegen Maßstäbe setzt.
Michael Becker/Gerald Berse (Hg.):
Das BSV-Chaos - das ist die Veröffentlichungspolitik eines Verlages, der in den 60er Jahren und später daran ging, die Mainstreamcomics amerikanischer Produktion für das deutsche Publikum aufzubereiten. Was der jugendliche Leser damals einfach als gottgegeben hinnahm, ist für die Historiker von heute ein Grund zum Nachfragen: Was ist denn damals erschienen, woher kamen die Vorlagen, wie wurden sie verändert und angepasst? Eine kleinteilige, eine Sisyphusarbeit, die zunächst einmal Gegenüberstellungen von Original und Lizenz fordert. Das leistet diese akribisch zusammengestellte, insgesamt wohl dreibändige Reihe. Zwei Bände liegen bereits vor und faszinieren nicht nur durch die Menge an Abbildungen. Eine Reihe für den eingefleischten Fan von Marvel und DC, sicher, die aber künftig eine gute Grundlage für weitere Forschungen zu diesem Thema bieten dürfte.
Joachim und Werner Knüppel/Helmut Rohde (Hg.):
Das Sammeln von Comics und das Sammeln von Romanheften gehen oft Hand in Hand. Nach langer Pause ist jetzt beim Hamburger Comicladen Kollektiv ein neuer Roman-Preiskatalog erschienen, der in Umfang und Ausstattung vorbildlich ist. Erstmals sind alle Abbildungen in Farbe zu sehen, und das nicht nur in Briefmarkengröße. Die Cover der Hefte zu betrachten, gleicht einem Streifzug durch das (noch nicht gebaute) Museum der Trivialliteratur. Der Preiskatalog unterscheidet erstmals zwischen Romanheften aus Deutschand (vor 1945), der BRD, der DDR und Österreich. Weiterhin listet er, wie bereits der Vorgänger, Bücher, Leihbücher, Jugend- und Musikzeitschriften. Hinzu kommt in dieser Ausgabe ein Abschnitt über zwischen 1876 und 1980 erschienene Karl-May-Bücher. Der neue Katalog ist ein wertvolles Nachschlagewerk für jeden, dem es allgemein um Popupärkultur geht.
Mark Lehmstedt:
Mit der Comicserie "Mosaik" und ihren drei Hauptfiguren Dig, Dag und Digedag hat sich der Zeichner Johannes Hegenbart alias Hannes Hegen einen Platz in der Comic-Geschichte der DDR erobert. Obwohl die Digedags bereits 1974 Abschied von ihren Lesern nahmen, erreichen die Nachauflagen der Hefte bis heute ihr Publikum. Immer noch umgibt ihren Erfinder ein geradezu mythischer Nimbus, ganz zu schweigen von den vielen anderen Zeichnern und Autoren, die an der Herstellung der Comics beteiligt waren, aber kaum öffentliche Beachtung fanden. Mark Lehmstedt hat dies sowie die internen, oft genug erbittert ausgefochtenen Kämpfe mit Kritikern, Kontrolleuren und Zensoren aller Art rekapituliert. Der Mosaik-Fanclub Mosaiker bietet das Buch in einer limitierten Ausgabe an, die mehr Text und Illustrationen aufweist als die über den Buchhandel vertriebene Fassung.
Burkhard Ihme (Hg.)
Seit nunmehr zehn Jahren ist das Jahrbuch des Interessenverbands Comic (ICOM) der Seismograph der Szene. Der Herausgeber Burkhard Ihme und seine Mitarbeiter berichten kompetent über Neuentwicklungen der Verlage und Zeichner. In diesem Jahr liegt einer der Schwerpunkte auf dem Comic für Kinder. Vom Einsatz von Comics zur Leseförderung bis hin zu "Max & Luzie", einem herausragenden Werbecomic, reicht die Bandbreite der Artikel. Andere Beiträge widmen sich etwa internationalen Comicverbänden oder der grafischen Ausgestaltung des Gratis Comics Tags. Die vielen Interviews machen die Darstellung autentisch und brauchbar auch für spätere Beobachter und Kommentatoren der deutschsprachigen Comic-Kultur.
Peter Lukasch:
Im Internet führt der Österreicher Peter Lukasch eine anschauliche, weil reich illustrierte Website zum Thema Kinder- und Jugendliteratur http://members.aon.at/zeitlupe/index.html. Vielleicht hat der Autor der Vergänglichkeit des Webs etwas Handfestes zur Seite stellen wollen, als er die Essenz seiner Forschungen nun für den Druck zusammenstellte. Auch das Buch glänzt durch viele Bildbeispiele. Lukasch schlägt den großen Rahmen vom 18. Jahrhundert bis in unsere Zeit. Er bietet dadurch eine unermessliche Fülle an Material, muss allerdings darauf verzichten, ins Detail zu gehen. Der Leser wird dieses Buch als Überblick und Anregung zu weiterer Beschäftigung verstehen - mit einem Bereich, der erst ansatzweise erforscht ist.
Städt. Galerie Karlsruhe (Hg.):
Zur (im April 2010 ausgelaufenen) Ausstellung über das Werk des Malers und Zeichners Adolph Schroedter (Untertitel: "Humor und Poesie im Biedermeier") liegt ein ausführlicher und reich ilustrieter Katalog vor. In der Geschichte des deutschen Comic hat sich Schroedter mit einem einzigen Werk unsterblich gemacht: "Thaten und Meinungen des Herrn Piepmeyer" erschien 1849 nach einem Skript von Johann Hermann Detmold und karikierte das Wirken eines Abgeordneten im ersten gesamtdeutschen Parlament, der Frankfurter Nationalversammlung. In welche Zeit dieses politische Werk eingebettet war, macht der im Katalog in Wort und Bild kompetent kommentierte Überblick über das Gesamtwerk Schroedters klar.
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Katalog:
Als Katalog- oder wenigstens Begleitbuch der Werkschau des Zeichners Helmut Nickel auf dem Comicfestival München 2011 wurde dieser Band konzipiert, der vom Format her die Größe der Hefte der 50er Jahre nachzuahmen bemüht ist und von daher auf den ersten Blick etwas klein wirkt. "Hugh! Winnetou" enthält zum einen eine von Gerhard Schlegel neu kolorierte Episode aus Nickels Hauptwerk "Winnetou", geschaffen Anfang der 60er Jahre für den Walter Lehning Verlag. Daran anknüpfend, haben verschiedene Zeichner aus unserer Zeit ihre Hommage vorgelegt, zumeist in Form eines kurzen Comics, manchmal aber auch nur plakativ. Und nicht zuletzt gibt es in diesem Band einige sehr lesenswerte Artikel zu Leben und Arbeit des Geehrten. Ein nettes Begleitbuch, nicht ganz aus einem Guß, aber in der Vielfalt vielleicht auch ganz reizvoll.
Günther Polland (Hg.):
Der jährlich erscheinende "1. Allgemeine deutsche Comic-Preiskatalog" listet (fast) alle im deutschen Sprachraum erschienenen und verkauften Comics und ist damit für Comicforscher eine wesentliches Hilfsmittel.
Ernst Horst:
Die promivierte Kunsthistorikerin Erika Fuchs war nach heutigen Einstellungskriterien als Chefredakteurin von Micky-Maus-Heftchen überqualifiziert, aber sie war der festen Überzeugung, dass man für die Übersetzung von Comics nicht gebildet genug sein konnte. So brachte sie nicht nur Farbe und Witz in die tristen Nachkriegs-Kinderzimmer. Ihr Einfluss im alltäglichen Sprachgebrauch und in der Popkultur ist bis heute enorm: egal ob dem "Ingeniör nichts zu schwör" ist, wir über den "großen Lauschangriff" diskutieren oder Jugendliche elterliche Vorgaben mit "würg, röchel" kommentieren. Humorvoll und reich bebildert beweist der ausgewiesene Donaldist Ernst Horst, wie viel Entenhausen in Deutschland steckt - und umgekehrt: Von der Küche über die Literatur und den Schlager bis hin zu unserem Verhältnis zu fremden Kulturen ist Erika Fuchs' Werk ein Spiegel deutscher Befindlichkeit.
INCOS (Hg.):
Im Anschluss an die Veranstaltungen des World-Science-Fiction-Congress in Heidelberg gründeten am 24. August 1970 sieben der Teilnehmer die Interessengemeinschaft Comic Strip, kurz INCOS. Im Dezember 1970 eröffnete das Gründungsmitglied Peter Skodzik in der Berliner Goltzstraße einen Laden für Comics und Romane. Skodzik war auch Redakteur der Mitgliederzeitschrift INCOS-Nachrichten, Verfasser der 1978 erschienenen "Deutschen Comic-Bibliographie" und 1981 Initiator des "Comic-Preiskatalogs". 1973 richtete die INCOS in Berlin den 1. Deutschen Comic-Congress aus - ein Jahr vor der ersten ähnlichen Veranstaltung im französischen Angoulême. Zum 40jährigen Jubiläum erschien Ende 2010 ein Rückblick mit den gesammelten Erinnerungen der INCOS-Mitglieder und vielen alten Fotos, ein echtes Dokument der Comicszene.
Eckart Sackmann/Peter Hörndl:
Im Juli 1985, vor 25 Jahren, vereinbarten Peter Hörndl und Eckart Sackmann, gemeinsam einen Verlag zu gründen. Mit rund 300 Alben und Büchern, mit Serien wie "Anna Stein", "Umpah-Pah" und "Zehn Gebote", mit Zeitschriften wie RRAAH! und comics info, mit Sekundärtiteln wie dem "Mecki"-Buch und der Reihe "Deutsche Comicforschung" bestimmt comicplus+ seither das Comicgeschehen im Lande mit. Zum Jubiläum erschien mit "Die Comics mit dem großen Plus+", ein lebendiger, reich bebilderter Rückblick, der nicht nur ein Vierteljahrhundert Verlagsgeschichte widerspiegelt, sondern auch Einblicke in das ganz private Denken und Handeln der Verleger gibt.
Alexander Kunkel:
Der breiten Öffentlichkeit wurde Heinrich Kley durch die Mitarbeit an den Zeitschriften Simplicissimus und Jugend bekannt. Vor dem Ersten Weltkrieg publizierten sie seine humoristischen und grotesken Federzeichnungen. Themen der Gesellschaftspolitik, des technischen Fortschritts sowie des Verhältnisses zwischen Mann und Frau erfasste er mit phantasiereichen Bildideen und psychologischem Einfühlungsvermögen. Mit gleicher Könnerschaft charakterisierte er pointiert und unterhaltsam menschliche Verhaltensweisen durch Mensch-Tier-Vergleiche. Diese Qualitäten faszinierten später Walt Disney, der Kleys Arbeiten als Inspirationsquelle für seine Zeichentrickfilme nutzte. Eine umfassende, reich illustrierte Biografie des hierzulande unterbewerten Zeichners.
Nicolas von Lettow-Vorbeck:
Im Oktober 2000 erschien die letzte reguläre Ausgabe der Kinderzeitschrift YPS in Deutschland, ein Schlussstrich unter eine Publikation, die sich ein Vierteljahrhundert auf dem Markt behaupten konnte. Dieser Erfolg beruhte auf der damals innovativen Idee jedem Heft ein Spielzeug, von YPS als Gimmick bezeichnet, beizulegen. Die hier nun veröffentlichte Bachelor-Arbeit geht der Frage nach, ob dieses Schicksal unausweichlich war oder ob bei YPS von einer verpassten Chance gesprochen werden kann. Hierzu werden das Produkt YPS, der Kinderzeitschriftenmarkt 2010, die Einstellung der Publikation sowie der YPS-Relaunch 2005/2006 analysiert. Abschließend folgen Optionen zur Reaktivierung der Marke YPS. |
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